Gemeinsam für Jever 2026–2031
Gruppenvereinbarung von SPD und Bündnis 90/Die Grünen
SPD und Bündnis 90/Die Grünen wollen in der Ratsperiode 2026–2031 gemeinsam Verantwortung für die weitere Entwicklung Jevers übernehmen. Uns verbindet der Anspruch, unsere Stadt sozial, lebenswert, wirtschaftlich stark und zukunftsfähig zu gestalten und dabei die Menschen in Jever und seinen Ortsteilen mitzunehmen. Unsere Zusammenarbeit basiert auf Verlässlichkeit, gegenseitigem Respekt und dem Willen, bei unterschiedlichen Sichtweisen gemeinsam nach tragfähigen Lösungen zu suchen. Beide Parteien behalten dabei ihre politische Eigenständigkeit.
Diese Gruppenvereinbarung beschreibt anhand von Leitlinien den politischen Rahmen unserer Zusammenarbeit für die kommenden fünf Jahre. Sie ist bewusst kein abschließender Maßnahmenkatalog. Die vereinbarten Themenfelder sollen kontinuierlich mit konkreten Projekten, Initiativen und Anträgen gefüllt und an neue Entwicklungen angepasst werden.
1. Bildung, Familien und junge Menschen
Der Erhalt und die zukunftsfähige Entwicklung aller Jeveraner Grundschulstandorte haben für uns hohe Priorität. Die Paul-Sillus-Schule, die Grundschule Cleverns und die Grundschule Harlinger Weg sollen jeweils eine verlässliche Perspektive erhalten. Dazu gehören zeitgemäße Gebäude und Lernbedingungen, die weitere Entwicklung der Ganztagsangebote sowie sichere Wege zu den Schulen.
Alle Kinder, Jugendliche und Familien sowie Seniorinnen und Senioren sollen in Jever gute Bedingungen zum Leben und Aufwachsen finden. Bedarfsgerechte Kinderbetreuung, attraktive Spielplätze sowie gute Sport-, Freizeit- und Begegnungsmöglichkeiten gehören dazu. Junge Menschen wollen wir stärker an kommunalen Diskussionen beteiligen. Zentrales Anliegen ist es dabei, die Jugendlichen in die Entscheidungsprozesse einzubinden (z.B. im Jugendrat oder in den Fachausschüssen).
2. Sozialer Zusammenhalt, Ehrenamt und freiwillige Leistungen
Jever lebt von seinen Vereinen, sozialen Einrichtungen, der Feuerwehr und dem Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger. Freiwillige Leistungen der Stadt sind grundlegend für die kommunale Lebensqualität.
Ehrenamtliche Strukturen sind von zentraler Bedeutung und werden wir unterstützen und dort stärken, wo neue Formen des Engagements entstehen können. Integration, Inklusion und gesellschaftliche Teilhabe nehmen wir dabei gezielt in den Fokus (zB Ehrenamtsbörse und Präventionsrat).
3. Frauenort, Gleichstellung und Teilhabe
Als offizieller niedersächsischer Frauenort besitzt Jever ein besonderes historisches und kulturelles Alleinstellungsmerkmal. Die Geschichte von Fräulein Maria zu Jever und die Bedeutung von Frauen für unsere Stadt wollen wir durch Kultur, Veranstaltungen, Stadtführungen und touristische Angebote noch stärker sichtbar machen.
Gleichstellung verstehen wir zugleich als aktuelle kommunalpolitische Aufgabe. Frauen sollen gleiche Möglichkeiten zur gesellschaftlichen und politischen Teilhabe haben und sich in Jever sicher und selbstbestimmt bewegen können.
4. Entwicklung von Wohnraum
Jever braucht bezahlbaren Wohnraum für unterschiedliche Generationen und Lebenssituationen. Gemeinsam mit der Wohnungsbaugesellschaft Friesland und weiteren Akteuren wollen wir bezahlbaren Wohnraum, altersgerechte Angebote, neue Wohnformen wie z.B. Mehrgenerationenprojekte und Möglichkeiten für Familien voranbringen. Dies ist in zukünftigen Bebauuungsplänen zu berücksichtigen.
Dabei setzen wir auf eine maßvolle und bedarfsgerechte Entwicklung unserer Stadt und ihrer Ortsteile. Rahrdum, Cleverns, Moorwarfen, Sandel und Sandelermöns brauchen Entwicklungsperspektiven, die zu ihrer jeweiligen Struktur passen. Nachverdichtung und die Nutzung bereits erschlossener Flächen haben besonderes Gewicht. Wo darüber hinaus zusätzlicher Wohnraumbedarf besteht, kann die Ausweisung von Neubaugebieten möglich sein.
5. Stadtentwicklung
Die Weiterentwicklung des Alten Marktes (z.B. auch mit einer weiteren Begegnungszone), der Innenstadt und die Sanierung der Wallanlagen werden Schwerpunkte unserer gemeinsamen Arbeit. Aufenthaltsqualität, Begrünung, Barrierefreiheit, Gastronomie, Kultur, Veranstaltungen, Handel und gute Erreichbarkeit müssen dabei zusammen gedacht werden.
Leerstände (z.B. das Kückens-Gelände) in der Innenstadt wollen wir aktiver angehen, dabei spielen Pop-up- und Start-up-Angebote und innovative Möglichkeiten eine Rolle. Auch die Verbesserung der Parksituation (Möglichkeit z.B. eines Parkhauses), Verkehrsführung und die Verbindung der einzelnen Innenstadtbereiche gehören für uns zu einer umfassenden Stadtentwicklung. Hierfür soll das bestehende Innenstadtkonzept in die Umsetzung gebracht und weiterentwickelt werden.
6. Wirtschaft, Arbeitsplätze und medizinische Versorgung
Eine wirtschaftlich starke Stadt braucht gute Rahmenbedingungen für Handel, Gastronomie, Handwerk, Mittelstand und neue Unternehmen. Gewerbeflächen werden bedarfsorientiert weiterentwickelt, die Neuauflage einer regelmäßig Gewerbeschau würde dies unterstützen. Gleichzeitig wollen wir gute Bedingungen für Gründungen, Start-ups, Selbstständige und neue Arbeitsformen schaffen und die Zusammenarbeit zwischen örtlicher Wirtschaft, Stadt und weiteren Akteuren stärken.
Zur Attraktivität eines Standortes gehört auch eine verlässliche medizinische Versorgung. Deshalb wollen wir uns frühzeitig mit Praxisnachfolgen, der Gewinnung von Ärztinnen und Ärzten und neuen Versorgungsmodellen beschäftigen.
7. Klima, Energie und eine sichere Stadt
Klimaschutz und die Anpassung an die Folgen des Klimawandels gehören für uns zu einer verantwortungsvollen kommunalen Entwicklung. Dabei setzen wir auf Lösungen, die ökologisch und wirtschaftlich tragfähig sind. Die kommunale Wärmeplanung, erneuerbare Energien und Energieeffizienz sollen gemeinsam vorangebracht und in konkrete Perspektiven für Jever übersetzt werden. Photovoltaik, Windenergie, Netzinfrastruktur und Speichertechnologien können dabei unterschiedliche Beiträge leisten.
Gleichzeitig müssen wir Jever besser auf Hitze, Starkregen und andere Klimafolgen vorbereiten. Mehr Bäume und Grün, Entsiegelung, Schatten sowie ein vorausschauendes Regenwasser- und Wassermanagement sollen deshalb stärker in Stadtentwicklungs- und Infrastrukturprojekte einfließen. Grundsätzlich ist uns die Sicherheit der Stadt Jever und die Krisenvorsorge sehr wichtig und deshalb möchten wir die professionelle Aufstellung des Krisenstabes, die Ausstattung der Notunterkünfte und die Weiterentwicklung der Krisenleuchttürme in den Fokus nehmen.
8. Sichere Radwege und eine zukunftsfähige Mobilität
Wir wollen Jever zu einer fahrradfreundlichen Stadt mit sicheren, breiten und durchgängigen Radwegen entwickeln. Dazu aktualisieren wir den Verkehrsentwicklungsplan, setzen den Radfahrplan und das Verkehrskonzept Innenstadt konsequent um, verbessern insbesondere die Radwege an den Hauptachsen und schaffen sichere Schulwege sowie Querungsmöglichkeiten. Mit einem verbindlichen Maßnahmenplan und einem festen jährlichen Budget wollen wir bis 2031 sichtbare Verbesserungen für den Radverkehr erreichen.
Mobilität beinhaltet weitere Schwerpunkte und die Verbindung der Ortsteile mit der Innenstadt. Gemeinsam mit dem Landkreis als ÖPNV-Aufgabenträger wollen wir flexible Angebote weiterentwickeln und neue Mobilitätsformen erproben. Hierzu gehören On-Demand-Angebote, Carsharing oder auch der Einsatz autonomer Kleinbusse für Jever und seine Ortsteile.
9. Kultur, Sport und Tourismus
LOK-Kulturzentrum, Theater am Dannhalm, Schloss, Sportstätten und Freibad sind wichtige Bestandteile dieser Infrastruktur und sollen langfristige und verlässliche Perspektiven erhalten. Vereine und ehrenamtlich organisierte Angebote tragen wesentlich zur Lebensqualität in unserer Stadt bei. Gleichzeitig wollen wir bestehende Veranstaltungen stärken und Raum für neue Kultur-, Sport- und Open-Air-Formate schaffen.
Tourismus ist für Jever ein wichtiger Wirtschafts- und Standortfaktor, der durch einen Gästebeitrag gestützt und ausgebaut werden kann. Ziel ist es, mehr Gäste für Jever zu gewinnen, ihre Aufenthaltsdauer zu erhöhen und dafür zu sorgen, dass Innenstadt, Gastronomie, Einzelhandel, Kultur und touristische Einrichtungen stärker davon profitieren. Rad- und Aktivtourismus, der Wohnmobilstellplatz, kulturelle Angebote und Veranstaltungen bieten dafür weiteres Potenzial. Jever soll sein eigenständiges touristisches Profil stärker herausarbeiten.
10. Moderne Verwaltung, Bürgerbeteiligung und Bürgerbudget
Eine moderne Stadt braucht eine leistungsfähige, digitale, bürgernahe und barrierearme Verwaltung. Dienstleitungen sollen einfach erreichbar, verständlich und effizient verwaltbar sein, sodass sie sowohl die Verwaltung als auch die Bürgerinnen und Bürger entlasten. Gleichzeitig wollen wir politische Entscheidungen und Beratungsprozesse transparent gestalten und die Nachvollziehbarkeit auch digital ermöglichen.
Bürgerinnen und Bürger sollen bei wichtigen Vorhaben frühzeitig einbezogen werden. Beteiligung verstehen wir dabei nicht als einmaliges Instrument, sondern als Bestandteil guter kommunalpolitischer Entscheidungen. Um die Mitgestaltung zu ermöglichen, wollen wir ein Bürgerbudget schaffen.
Gemeinsam arbeiten – gemeinsam gestalten
Unser gemeinsamer Maßstab ist, was Jever und den Menschen, die hier leben, konkret nützt. Wir wollen Bewährtes erhalten, notwendige Veränderungen anstoßen und neue Ideen möglich machen – verantwortungsvoll, bürgernah und mit einem realistischen Blick auf die finanziellen und tatsächlichen Handlungsmöglichkeiten unserer Stadt. Gemeinsam. Zukunftsfähig. Für Jever.